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Deutschland braucht robuste, dezentrale und leistungsfähige Versorgungsstrukturen.
02.10.2026 - externe Gremien, Information & Internet, Apothekenwesen

Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ist strikt gegen die Wiedereinführung apothekenbezogener Ausschreibungen für Zytostatika. „Wer bei der Versorgung schwerkranker Menschen allein auf den niedrigsten Preis setzt, spielt mit der Versorgungssicherheit“, erklärt Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI). „Zytostatika werden für einzelne Patientinnen und Patienten unter strengen Qualitätsanforderungen hergestellt und müssen verlässlich, zeitnah und in abgestimmten Strukturen bei den behandelnden Praxen ankommen. Ausschreibungen passen nicht zu dieser hochsensiblen Versorgung.“

„Wer Versorgungssicherheit will, muss die gesamte Lieferkette stabil halten – von der Arzneimittelproduktion über die Logistik bis zur patientenindividuellen Zubereitung in der Apotheke“, betont Dr. Joachimsen. Der BPI fordert deshalb, das seit 2017 aufgrund von Versorgungsproblemen beschlossene Verbot apothekenbezogener Ausschreibungen für Zytostatika uneingeschränkt beizubehalten: „Die Politik darf nicht denselben Fehler zweimal machen! Deutschland braucht in der Onkologie robuste, dezentrale und leistungsfähige Versorgungsstrukturen.“

Die insbesondere von der Finanz-Kommission Gesundheit vorgeschlagene Rückkehr zu Ausschreibungen birgt selbst nach deren Einschätzung das Risiko einer Konzentration auf wenige große Apotheken. Für die pharmazeutische Industrie bedeutet dies zugleich eine stärkere Abhängigkeit von einzelnen Abnehmern, abrupte Mengenverschiebungen nach Zuschlagsentscheidungen und erschwerte Planbarkeit für Produktion, Lagerhaltung und Lieferverträge. Versorgungssicherheit braucht nach Überzeugung des BPI dagegen mehrere leistungsfähige Marktteilnehmer und redundante Lieferwege.

Statt parallele Preisinstrumente und neue Exklusivverträge zu schaffen, müssen die bestehenden Verfahren zur Preisbildung verlässlich und versorgungsorientiert weiterentwickelt werden. Bereits heute treten zum 1. Oktober 2026 neue Preise im Rahmen der Hilfstaxe in Kraft; nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands werden damit Herstellerrabatte an die Krankenkassen weitergegeben und erhebliche Einsparungen erzielt.