Professor Dingermann zu Gast zum Abschied von Professor Winckler
Gemeinsam mit der Landesgruppe Thüringen der DPhG möchten wir Sie zu dieser Fortbildung am Dienstag, den 27. Oktober in den Großen Hörsaal der Zoologie in Jena einladen. Prof. Dr. Theo Dingermann, emeritierter Professor für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität Frankfurt wird sich in diesem Vortrag mit dem „langen lebenswerten Leben“ befassen. Dafür kann man schon mal nach Jena fahren, besonders wenn Sie bedenken, dass dies aller Voraussicht nach die letzte Fortbildung mit dem scheidenden Vorsitzenden der DPhG-Landesgruppe, Professor Thomas Winckler, sein wird.
Mit der Verabschiedung des ApoVWG (Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz) ergeben sich für die deutschen Apotheken ganz neue Möglichkeiten. Das wichtige Thema „Prävention“ kann gerade in den Apotheken mit dem Schwerpunkt „Primärprävention“ eine neue Bedeutung bekommen.
Primärprävention zielt darauf ab, gesund zu bleiben. Diejenigen, die hier beraten werden sollen, sind gesund und nicht krank. Das ist eine ideale Situation für Apotheken, die einen ganz wichtigen Beitrag zum Thema „Healthspan“ liefern können, bei dem es darum geht, vor allem Alterskrankheiten möglichst weit nach hinten an das Lebensende zu schieben. Für Ärzte ist dieses Thema unattraktiv, da sie sich in unserer Gesellschaft um kranke Menschen kümmern müssen. Für die Apotheken ist dies eine weitere Chance.
Allerdings sollte die Beratung datenbasiert sein. Die relevanten Daten liefert das Metabolom, also relevante Stoffwechselprodukte, die sich heute gut bestimmen lassen. Fünf Argumente für Metabolomik als Kernkompetenz auch der Apothekerinnen und Apotheker:
- Frühzeitigkeit. Präventionsmedizin wirkt nur, wenn sie handelt, bevor strukturelle Schäden entstanden sind. Das Metabolom zeigt diese Phase – kein anderes verfügbares Messsystem ist früher.
- Personalisierbarkeit. Standardreferenzwerte sind für Bevölkerungsdurchschnitte gebaut, nicht für Individuen. Das Metabolom eines 60-jährigen Mannes mitteleuropäischer Herkunft ist ein anderes als das eines 35-jährigen Mannes südasiatischer Herkunft. Metabolomik erlaubt individuelle Risikoeinschätzung jenseits demographischer Kategorien.
- Messbare Lebensstilintervention. „Essen Sie gesünder und bewegen Sie sich mehr“ ist ein Ratschlag ohne Rückkopplung. Metabolomik gibt Feedback: Ceramide sinken nach drei Monaten mediterraner Ernährung, verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA) normalisieren sich nach gezieltem Krafttraining. Das motiviert, weil es sichtbar macht.
- Brücke zur evidenzbasierten Supplementationsberatung. Nahrungsergänzungsmittel sind ein zentrales Apothekengeschäft, doch die Beratung beruht oft auf allgemeinen Empfehlungen. Metabolomische Befunde liefern konkrete Indikationen: erhöhtes Kynurenin-Tryptophan-Verhältnis? Dann zuerst die Entzündung behandeln, nicht Tryptophan supplementieren. Das ist präzise Beratung statt Gießkanne.
- Positionierung im Gesundheitssystem der Zukunft. Digitale Gesundheitsdaten, personalisierte Medizin und wertbasierte Versorgung verschieben das Gewicht weg vom Ereignis (Herzinfarkt, Schlaganfall) hin zum Prozess (Risikominderung). Apotheken, die diesen Wandel mitgestalten, werden gebraucht.