In 20 Jahren fehlen 450 Apotheker allein in öffentlichen Apotheken Thüringens

26.06.2020 - Presse, Information & Internet, externe Gremien, Ausbildung

Der Thüringer Landtag befasst sich mit mehreren Anträgen aus verschiedenen Fraktionen, in denen es um nicht weniger geht als um die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Thüringen in den kommenden Jahren. Dabei wird die Frage aufgeworfen: Braucht Thüringen mehr Studienplätze für Pharmazie? Die Antwort ist eindeutig: Ja, und zwar schnell .

Mehr Pharmazie für immer weniger Apotheken
In zwanzig Jahren fehlen allein in den öffentlichen Apotheken Thüringens 450 Apotheker - egal wie viele Apotheken es dann noch sein werden.

In Thüringen arbeiten derzeit etwa 1.100 Apotheker in 531 Apotheken. Damit ist die Zahl der Apotheker in öffentlichen Apotheken in den zwölfeinhalb Jahren seit Ende 2007 deutlich gestiegen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der öffentlichen Apotheken um 40. Während die neuen Apotheker die ausscheidenden Pharmazieingenieure kompensieren, ist der Verlust an Apotheken insbesondere in den ländlichen Regionen Thüringens spürbar.

Betrachtet man beispielhaft die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen in öffentlichen Apotheken, bezogen auf die beiden Berufsgruppen Apotheker und Pharmazieingenieur lässt sich ein eindeutiger Trend zeigen. Die beiden genannten Berufsgruppen sind als einzige leitungsberechtigt und daher in Apotheken besonders wichtig. Im August 2012 arbeiteten 822 Pharmazieingenieure und 935 Apotheker in damals noch 574 Apotheken. Insgesamt also 1.757 Personen mit zumindest eingeschränkter Leitungsberechtigung. Jetzt, im Juni 2020 sind in den nur noch 531 öffentlichen Apotheken noch immer 638 Pharmazieingenieure und 1.129 Apotheker tätig, insgesamt also 1.767 Pharmazeuten mit diesen Qualifikationen.

Daraus kann abgeleitet werden:

  • Die Gesamtzahl der in öffentlichen Apotheken beschäftigten Pharmazieingenieure und Apotheker bleibt über die Jahre konstant (trotz sinkender Apothekenzahlen).
  • Pharmazieingenieure werden statistisch gesehen 1:1 durch Apotheker ersetzt.
  • Die Aufgaben für Apotheker in öffentlichen Apotheken nehmen eher zu (weniger Apotheken, gleiche Gesamtzahl Apotheker und Pharmazieingenieure).
Blickt man unter diesen Voraussetzungen auf die Altersstruktur der Berufsgruppen, so kann man ablesen, dass in 20 Jahren allein aus Altersgründen ca. 400 Apotheker und alle noch ca. 650 Pharmazieingenieure aus den öffentlichen Apotheken ausgeschieden sein werden. Wenn man diesen Zahlen entgegensetzt, dass in den letzten 20 Jahren ca. 600 Apotheker in die öffentlichen Apotheken in Thüringen kamen, so wird deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt absehbar mindestens 450 Apotheker allein in den öffentlichen Apotheken in Thüringen fehlen werden. Rechnet man noch die Apotheker hinzu, die in Krankenhäusern, in Wissenschaft, Industrie und Verwaltung tätig sind und deren Anzahl sich 2007 von ca. 140 auf heute 270 nahezu verdoppelt hat, wird der Mangel an Apothekern noch viel deutlicher sichtbar.

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