Neuer Leitfaden unterstützt Apotheken bei Gewalt gegen Frauen 22.10.2026 - Presse
Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen. Doch Betroffene finden nicht immer rechtzeitig Schutz und Unterstützung. Umso wichtiger sind Anlaufstellen, die sie unkompliziert erreichen können. Apotheken können hier einen Beitrag leisten: als vertraute Orte im Alltag, an denen aufmerksam zugehört und der Weg zu professioneller Hilfe eröffnet werden kann.
Die Landesapothekerkammer Thüringen hat deshalb die zweite, überarbeitete Auflage des VIOLIND-Leitfadens „Wissen, was hilft. Hilfe bei Gewalt gegen Frauen“ fertiggestellt. In Kürze wird die Publikation an alle Apothekerinnen und Apotheker in Thüringen versandt.
Orientierung für den Apothekenalltag
Der Leitfaden vermittelt Grundlagen zu häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt, beschreibt mögliche Anzeichen und gesundheitliche Folgen und gibt Hinweise zum sensiblen Umgang mit Betroffenen. Darüber hinaus enthält er Informationen zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten, darunter das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ sowie Anlaufstellen in Thüringen.
Die Veröffentlichung soll Apothekenteams dabei unterstützen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Handlungssicherheit zu gewinnen. Denn nicht immer sprechen Betroffene ihre Situation unmittelbar an. Ein diskretes Informationsangebot, ein Gespräch unter vier Augen oder die Weitergabe einer Karte mit Notfallnummern können erste Schritte sein, um Hilfe zugänglich zu machen.
Dabei ist eine klare Abgrenzung wichtig: Apotheken sind keine Beratungs- oder Kriseneinrichtungen. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, Gewalterfahrungen therapeutisch aufzuarbeiten oder selbst Lösungen für komplexe Gefährdungssituationen zu entwickeln. Sie können jedoch aufmerksam sein, Betroffene ernst nehmen und – wenn gewünscht – den Kontakt zu spezialisierten Hilfsangeboten erleichtern.
Warum das Gesundheitswesen besonders gefordert ist
Die Notwendigkeit, Gewalt gegen Frauen konsequent zu bekämpfen, wird auch durch aktuelle Veröffentlichungen unterstrichen. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) fordert eine bundesweite Gesamtstrategie gegen geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auf erhebliche Lücken bei der gesundheitlichen Versorgung von Frauen hin, die Gewalt erlebt haben.
Diese Befunde machen deutlich, dass auch das Gesundheitswesen Verantwortung trägt. Fachkräfte müssen mögliche Gewalterfahrungen sensibel wahrnehmen und wissen, welche Unterstützung verfügbar ist. Zugleich brauchen Betroffene einen verlässlichen Zugang zu medizinischer Versorgung, Beratung und Schutz.
Mit VIOLIND greift die Landesapothekerkammer Thüringen diese Aufgabe auf und richtet den Blick ausdrücklich auch auf ihre Mitglieder. Apothekerinnen und Apotheker sowie ihre Teams gehören selbst zum Gesundheitswesen und können mit dazu beitragen, dass Hilfsangebote bekannter und leichter zugänglich werden.
Unterstützung aus der Thüringer Politik
Dass die Bedeutung der Apotheken als mögliche niedrigschwellige Anlaufstellen auch in der Thüringer Politik wahrgenommen wird, zeigen die im Leitfaden enthaltenen Stellungnahmen von Abgeordneten. Sie unterstreichen die Chance, die in der Vertrautheit und Erreichbarkeit der Vor-Ort-Apotheken liegt.
Der Leitfaden verbindet damit fachliche Informationen und konkrete Hinweise für den Apothekenalltag mit einem gesellschaftlichen Anliegen: Betroffene sollen erfahren, dass sie nicht allein sind und Unterstützung finden können.
Mit der Verteilung an alle Apothekerinnen und Apotheker in Thüringen möchte die Landesapothekerkammer dazu beitragen, das Thema in den Apotheken präsent zu machen und die Auseinandersetzung damit in den Teams anzuregen.