Apothekerkammer warnt vor Folgen politischer Rückkehrdebatten für die Gesundheitsversorgung in Thüringen 19.04.2026 - Presse
Vor dem Hintergrund aktueller politischer Diskussionen über Anreize zur Rückkehr von Geflüchteten weist die Landesapothekerkammer Thüringen auf mögliche Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung im Freistaat hin.
Von den derzeit 1.949 Kammermitgliedern wurden 57 in Syrien geboren – das entspricht rund drei Prozent der Thüringer Apothekerschaft. Hinzu kommen zahlreiche Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sowie pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA), die sich noch im Anerkennungsverfahren befinden oder bereits in Apotheken tätig sind.
Diese Fachkräfte leisten nicht nur einen entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung, sondern bauen sich zugleich eine langfristige Perspektive in Thüringen auf. Angesichts des bestehenden Fachkräftemangels kommt ihnen eine zentrale Rolle für die Zukunft der Apothekenlandschaft zu.
„Wenn sich Kolleginnen und Kollegen für eine Rückkehr entscheiden, verdient das großen Respekt“, sagt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen. „Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, dass jede einzelne Rückkehr für unser Versorgungssystem eine spürbare menschliche und fachliche Lücke bedeutet.“
Versorgungsstruktur im ländlichen Raum unter Druck
Bereits heute steht die Arzneimittelversorgung insbesondere im ländlich geprägten Thüringen unter erheblichem Druck. Seit 2008 haben 27 Orte und Gemeinden ihre Apotheke verloren – häufig aufgrund fehlender Nachfolgerinnen und Nachfolger. Auch Apothekerinnen und Apotheker mit internationalem Hintergrund haben in den vergangenen Jahren Apotheken übernommen und damit zur Stabilisierung der Versorgung beigetragen. Sollte sich ihre Zahl durch Rückkehrbewegungen verringern, könnte sich die Situation weiter verschärfen.
„Thüringen kann sich zusätzliche Lücken im Versorgungsnetz eigentlich nicht leisten“, so Neidel. „Gerade im Flächenland ist jede Apotheke ein wichtiger Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung.“
Appell für differenzierte politische Lösungen
Die Landesapothekerkammer Thüringen plädiert daher für eine differenzierte Betrachtung der aktuellen Debatten. Neben humanitären und außenpolitischen Aspekten müssten auch die konkreten Auswirkungen auf kritische Infrastrukturen wie das Gesundheitswesen berücksichtigt werden.
„Ich wünsche mir, dass viele unserer syrischen Mitglieder sich weiterhin für ein Leben und Arbeiten in Thüringen entscheiden“, betont Neidel. „Sie sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gemeinschaft geworden und tragen maßgeblich dazu bei, die Versorgung der Menschen im Freistaat zu sichern.“