• Kontrast
  • Schrift verkleinern
  • Schrift vergrößern
Menu

Gemeinsame Initiative gegen Rezeptfälschungen
07.04.2026 - Presse

Gesundheitsakteure fordern verbindliche Nutzung des eRezepts

Angesichts steigender Schäden durch Rezeptfälschungen fordern führende Akteure des Thüringer Gesundheitswesens verbindliche gesetzliche Regelungen zur stärkeren Nutzung des eRezepts. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT), der Thüringer Apothekerverband (ThAV), die BARMER sowie die Landesapothekerkammer Thüringen (LAKT) haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag zur wirksamen Bekämpfung von Rezeptfälschungen verständigt.

Hintergrund sind Schäden in Höhe von rund 100 Millionen Euro jährlich, die durch gefälschte Verordnungen entstehen. Mit der Einführung des eRezepts Anfang 2024 wurde bereits ein wichtiger Schritt zur Eindämmung dieses Problems gemacht. Dennoch bestehen weiterhin Sicherheitslücken, insbesondere durch die Nutzung von Papierrezepten.

Verbindliche Nutzung statt freiwilliger Appelle

Die beteiligten Organisationen sprechen sich daher für eine verpflichtende Nutzung der Telematikinfrastruktur (TI) bei besonders fälschungsanfälligen Arzneimitteln aus.

„Appelle allein reichen nicht aus. Solange Papierrezepte im Umlauf sind, bleiben sie ein Einfallstor für Fälschungen“, erklärt Ronald Schreiber, Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen. „Wir brauchen klare gesetzliche Vorgaben, um das eRezept dort verbindlich zu machen, wo das Risiko am größten ist.“ Ein sachverständig besetzter Ausschuss soll künftig festlegen, für welche Wirkstoffe eine verpflichtende elektronische Verordnung gilt.

Apotheken stärken – aber früher ansetzen

Zwar begrüßen die Initiatoren ausdrücklich die geplante Änderung der Apothekenbetriebsordnung, die Apotheken bei Verdacht auf Fälschungen mehr Handlungsspielraum gibt. Diese greife jedoch erst, wenn der Schaden bereits entstanden sei. „Die vorgeschlagenen Änderungen sind ein wichtiger Schritt, aber sie setzen zu spät an“, betont der Apotheker. „Unser Ziel muss es sein, Fälschungen gar nicht erst entstehen zu lassen.“

Versorgungssicherheit bleibt gewährleistet

Für Ausnahmesituationen – etwa bei technischen Störungen oder im Notdienst – schlagen die Beteiligten klar definierte Notfallregelungen vor. „Die Versorgung der Patientinnen und Patienten hat oberste Priorität“, so die Landesapothekerkammer Thüringen. „Mit klar geregelten Ausnahmen lässt sich Sicherheit und Versorgung gleichermaßen gewährleisten.“

Digitalisierung als Schlüssel zur Missbrauchsbekämpfung

Auch die BARMER unterstützt die Initiative. „Mit zunehmender Professionalität der Fälschungen steigt das Risiko für das gesamte Gesundheitssystem“, erklärt Apotheker Schreiber. „Die konsequente Digitalisierung ist der wirksamste Hebel, um Missbrauch nachhaltig einzudämmen.“

Appell an die Politik

Die beteiligten Organisationen haben ihren Vorschlag bereits an das Thüringer Gesundheitsministerium sowie weitere relevante Akteure auf Bundesebene übermittelt. Sie fordern nun eine zügige gesetzgeberische Umsetzung. „Nur durch eine verbindliche Regelung kann das Fälschungsrisiko strukturell reduziert werden“, heißt es abschließend.