Eine Dosis Wissen - das neue Pharmakon „Bakteriophagen“

18.11.2021 - externe Gremien, Information & Internet, Apothekenwesen, Arzneimittelinformation

Die Presse wird derzeit sowohl in der Wissenschaft als auch in den tagesaktuellen Printmedien dominiert von Beiträgen über Viren, die als Erreger von SARS-CoV-2-Infektionen unseren Alltag komplett auf den Kopf stellen. Vor diesem Hintergrund widmet sich das neue Pharmakon der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft einer ganz besonderen Gruppe von Viren, den Bakteriophagen (kurz: Phagen), die – im Gegensatz zu den krankheitserregenden Coronaviren – Hoffnungsträger für eine effektive Therapie bakterieller Infektionen sind. Phagen können Bakterien durch gezielte Lyse ausschalten und sind erfolgversprechende Helfer im Kampf gegen die zunehmende Antibiotika-Multiresistenz-(AMR)-Krise.

„Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ – Zur Renaissance der Bakteriophagen

Die Phagenforschung kann auf eine lange Historie zurückblicken. Von der Entdeckung eines, in der Zeit vor der Etablierung der Elektronenmikroskopie nicht zu visualisierenden, „übertragbaren lytischen Agens“ bis zum ersten therapeutischen Einsatz von Phagen entspann sich ein bisweilen kontroverser wissenschaftlicher Diskurs, der letztlich aufgrund der Dramatik der Antibiotikakrise eine Wende genommen hat.

Neben der elektronenmikroskopischen Visualisierung erlauben weitere hochentwickelte Technologien mittlerweile faszinierende molekularbiologische Einblicke in die Welt der Phagen. Im Fokus eines weiteren Beitrages stehen neben der Erforschung ihres Lebenszyklus und der Lyse-Mechanismen von Wirtsbakterien auch der über Phagen vermittelte Genaustausch in Bakterien und der Einsatz von Phagen als moderne Werkzeuge zur Manipulation von Nukleinsäuren, außerdem wird die regulative Rolle der Phagen in Ökosystemen und im Mikrobiom beleuchtet.

Technologische Formulierungsansätze für die Phagentherapie

Der biotechnologischen Herstellung phagenbasierter Therapeutika unter GMP-Standards ist ebenfalls ein Beitrag gewidmet. In diesem Kontext werden auch die beiden großen öffentlich geförderten Phagenprojekte in Deutschland, Phage4Cure und PhagoFlow, vorgestellt. Die effektive therapeutische Applikation von Phagen erfordert die Entwicklung geeigneter Formulierungen, welche die Stabilisierung der Phagen, sowie deren zielgerichtete Anwendung auf verschiedenen Applikationsrouten in den menschlichen Körper ermöglicht. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Ansätze und Entwicklungen dieses noch relativ jungen Forschungsfeldes vorgestellt.

Weitere Beiträge widmen sich dem klinischen Einsatz von Phagen, wobei zuerst ein Überblick über die bereits randomisiert durchgeführten klinischen Studien (RCTs) sowie zukünftige Studien und ihre Strategien gegeben wird. In der Diskussion der bisherigen RCTs und ihrer Fehlschläge werden wertvolle Hinweise für künftige RCTs bzw. für Phagentherapie allgemein deutlich. Die magistrale Anwendung von Phagen und das Potenzial eines im Patienten-Einzelfall geeigneten passgenauen Gemisches weniger verschiedener synergistisch wirkender Phagen sind der Kern eines weiteren Artikels.

Pipeline: Jenseits der klassischen Phagentherapie – Endolysine und rekombinante Phagen

Schließlich gibt das aktuelle Pharmakon einen Ausblick in zukünftige Entwicklungen der Phagentherapie. Im Fokus stehen rekombinante Phagen, die die Möglichkeit der Überwindung ihrer ausgeprägten Wirtsspezifität bieten, sowie Phagen-Endolysine.

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