Die eigenen Scheuklappen ablegen

21.05.2021 - Information & Internet, externe Gremien, Apothekenwesen, Fortbildung
Studierende erarbeiten sich den Weg in Richtung Nachhaltige Pharmazie

Arzneimittel in der Umwelt, die Corona Pandemie und Impfkampagne, multiresistente Keime, Klimawandel und Gesundheit – die Liste der Herausforderungen in der Pharmazie kann jede/jeder ohne weiteres fortsetzen. In der interaktiven Vorlesung „Sustainable Pharmacy“ wurde die Basis gelegt, um Nachhaltigkeitsaspekte in der Pharmazie ganzheitlich analysieren zu können. „Ein erfolgreicher erster Schritt“, freuen sich die Dozierenden Karina Witte und Michael Müller vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften. Studierende aus Pharmazie, Chemie, Liberal Arts and Sciences und Sustainable Materials haben sich interaktiv die ökologischen, ökonomischen und soziologischen Aspekte und deren Implikationen für das Gesundheitswesen erarbeitet. Herausforderungen und Maßnahmen wurden im Kontext Gesundheit und Arzneimittel kontrovers, konstruktiv und nicht selten auch kontraintuitiv diskutiert.

Weltweit, wirksam heute und in Zukunft

Der Frage und zugleich Zielstellung der Nachhaltigen Pharmazie: „Wie können wir weltweit, heute und zukünftig, eine wirksame Behandlung von Krankheiten ermöglichen?“ wurde sich auf verschiedene Weise genähert, ohne dass plakative Antworten propagiert wurden. Vielmehr wurde beispielhaft herausgearbeitet, dass unsere (vermeintlich gut gemeinten) Maßnahmen von heute nicht die Probleme von morgen werden sollten.

„Für eine wirklich nachhaltige Entwicklung braucht es Gespräche und gemeinsame Entscheidungen der verschiedenen Stakeholder, ÄrzteInnen, ApothekerInnen, PatientInnen, PolitikerInnen, Produzenten – und der zukünftigen Entscheidungsträger: den Studierenden! Nur wenn alle Perspektiven berücksichtigt werden, können auf dieser Basis nachhaltige Entscheidungen und Maßnahmen getroffen werden“, meint eine Teilnehmerin. Auch die Dozierenden Prof. Müller und Apothekerin Karina Witte betonen: „Es ist wichtig, alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie, Soziales – gleichberechtigt abzuwägen. Da wir die Zukunft nicht kennen, müssen wir Entwicklungen immer wieder neu kritisch beleuchten. Dabei das eigene Handeln nicht zu übersehen, fällt gar nicht so leicht.“

Teil zukünftiger Studiengänge?!

Das Thema Nachhaltigkeit war bisher ein Teilaspekt des Moduls „Ethik und Nachhaltigkeit“ für Studierende des Masters Pharmazeutische Wissenschaften, für die auch die aktuelle Vorlesung ein Wahlpflichtmodul darstellt. Fast die Hälfte der über 70 TeilnehmerInnen in der aktuellen Vorlesung kommt aber auch aus dem Pharmazie Staatsexamen. Diese belegten diese Veranstaltung zusätzlich zu ihrem auch so schon dichten Stundenplan, da sie sich die Veranstaltung in ihrem Studiengang (noch) nicht anrechnen lassen können. „Wir haben aktiven Einsatz und Vorbereitung von den Studierenden gefordert. Das große Interesse, und dass bis zum Schluss so viele freiwillig dabei sind, betont die Bedeutung des Themas auch unter den Studierenden“, so Witte. Ihr Ziel ist es, das Thema Nachhaltige Pharmazie als Konzept an der Uni Freiburg weiterzuentwickeln und als Bestandteil auch im Staatsexamen zu implementieren. Der Anfang ist sehr vielversprechend!

Fortbildung am 22. Juni „Nachhaltige Pharmazie“

Die Autorinnen dieses Textes - Karina Witte und Professor Michael Müller - sind am 22. Juni „in Thüringen zu Gast“ - immerhin virtuell im Rahmen der gemeinsamen Fortbildung von LAKT, DPhG-Landesgruppe und dem Institut für Pharmazie in Jena. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.

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