Wie steht die LAKT zur Homöopathie?

22.10.2020 - Fortbildung, Presse, Information & Internet

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat uns in Bezug auf die Apothekerin Iris Hundertmark aus Weilheim in Oberbayern, die keine Homöopathika mehr in ihrer Apotheke feilbietet, Fragen zur Homöopathie gestellt. Wir haben die Fragen und unsere Antworten hier zusammengestellt.

Vielen Dank für Ihre Anfrage und die Möglichkeit zur Stellungnahme.

Wir würden gern eins vorwegschicken. Der Apotheker ist ein freier Heilberuf. Das heißt, er handelt fachlich unabhängig und eigenverantwortlich, jede Apothekerin entscheidet auf Grundlage ihres Studiums und ihrer Berufserfahrung, was für ihre Patienten gut ist und ihnen helfen kann. Es gibt keine Instanz, die ihr das abnimmt und nach unserer Ansicht sollte es diese Instanz auch nicht geben. Letztlich nimmt das auch Frau Hundertmark für sich in Anspruch. Was sie von anderen Apothekern unterscheidet - sie steht damit in der Zeitung.

„ob Ihnen vergleichbare Fälle aus Ihrem Kammergebiet bekannt sind“
Nein, aber das verwundert uns nicht, denn es gibt keinen Grund, uns diese Information zu geben. Ich bin mir sicher, dass es in Thüringen Apothekerinnen gibt, die (auch aus grundsätzlichen Erwägungen) keine Homöopathika empfehlen und andere Apotheker, die das tun. Und auch Frau Hundertmark wird Homöopathika abgeben, wenn sie von einem Arzt verordnet werden, dann dazu ist sie - auch als freier Heilberuf - verpflichtet.

„ob Ihre Kammer den Apothekern Fortbildungen für den Umgang mit Homöopathika anbietet oder Fortbildungen anderer Anbieter empfiehlt“
Die Landesapothekerkammer Thüringen ist bestrebt, Fortbildungen möglichst aktuell und in einem breiten Spektrum anzubieten, um den Apothekerinnen die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten und fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein gutes Beispiel dafür, was wir damit meinen, ist auf Ihren Fragenkomplex bezogen der Thüringer Apothekertag 2019. Die teilnehmenden Apotheker haben Argumente für und gegen die Anwendung homöopathischer Arzneimittel gehört und konnten sich an der Diskussion beteiligen. Es ging nicht darum „Gut“ gegen „Böse“ auszuspielen, sondern ein Gespräch und eine fundierte Meinungsbildung möglich zu machen.

„ob Ihre Kammer eine eigene Position/Empfehlung zur Abgabe von Homöopathika formuliert hat - und wenn ja, welche“
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus den bisherigen Antworten. Sie ist nein.

In einem Land, in dem es zugelassene homöopathische Arzneimittel geben darf, die nur ein stark „abgemildertes“ Zulassungsverfahren durchlaufen müssen und danach mit den erstaunlichsten Werbeversprechen beworben und von den Kassen bezahlt werden dürfen, ist es nicht verwunderlich, dass Patienten, Kundinnen diese Produkte nachfragen. Wenn diese - nennen wir es Nische - vom Gesetzgeber gewollt und letztlich gefördert wird, dann ist es wichtig, Apotheken dazu zu bringen, die Abgabe für sich kritisch zu hinterfragen, aber schon auch ein bisschen unfair, sie - zumindest verdeckt - dazu aufzufordern, diese Arzneimittel zu boykottieren. So wie Frau Hundertmark.

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