Wer braucht schon Apotheken? Immer mehr Thüringer über 65!

26.06.2020 - Ausbildung, Presse, Information & Internet, externe Gremien

Der Thüringer Landtag befasst sich mit mehreren Anträgen aus verschiedenen Fraktionen, in denen es um nicht weniger geht als um die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Thüringen in den kommenden Jahren. Dabei wird die Frage aufgeworfen: Braucht Thüringen mehr Studienplätze für Pharmazie? Die Antwort ist eindeutig: Ja, und zwar schnell .

Wie hat sich die Apothekendichte in den vergangenen Jahren in Thüringen entwickelt?
Betrachtet man allein die Apothekenzahl in Thüringen bezogen auf die Gesamtbevölkerung, dann zeigt sich nur eine scheinbar zu vernachlässigende Veränderung der Situation. Während z.B. 2007 auf jede Apotheke noch 4.009 Thüringerinnen und Thüringer kamen, waren es Ende 2019 noch 3.988 Einwohnerinnen und Einwohner pro Apotheke. Der Grund dafür ist einfach erklärt, die Bevölkerung des Freistaates schrumpft Jahr für Jahr und da scheint es nur natürlich, dass auch die Apothekenzahlen kleiner werden.

Jeder 2. Thüringer ist 50 Jahre oder älter!
Prüft man jedoch genauer und gerade im Hinblick auf die Thüringer im Rentenalter - die eigentliche „Zielgruppe“ der Apotheken - also die Personen, die mit großer Wahrscheinlichkeit einen hohen Bedarf an einer wohnortnahen Arzneimittelversorgung haben, stellt sich die Verschlechterung der Situation viel deutlicher dar. Da der Anteil der älteren Bevölkerung (älter als 65 Jahre) gegen den Trend der Gesamtbevölkerung deutlich gewachsen ist, wirken sich die Schließungen der Apotheken auf diese Altersgruppe sehr viel stärker aus. Bezogen auf 100.000 Thüringer, die älter sind als 65 Jahre, standen Ende des Jahres 2019 nur noch 96 Apotheken zur Verfügung. Dies entspricht einem Rückgang um 17 Apotheken in den letzten 12 Jahren. Aus Sicht der Apotheken hat jede Apotheke Ende 2019 etwa 160 Patienten, die älter als 65 Jahre sind, mehr zu versorgen als zum Jahresende 2007.

Was bedeutet das?
Für immer mehr Thüringerinnen und Thüringer, die aller Wahrscheinlichkeit nach regelmäßig und dauerhaft auf eine gute und sichere Arzneimittelversorgung angewiesen sind, stehen immer weniger Apotheken zur Verfügung, die diese Aufgabe übernehmen können. Das heißt, für jede einzelne Patientin steht immer weniger Zeit zur Verfügung. Weniger Zeit für Beratung und Information. Weniger Zeit für das Gespräch zu den im Alter immer wichtiger werdenden Fragen zur eigenen Gesundheit. Weniger Nähe. Weniger Lebensqualität.

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