Mehr als „Maske 19“ - es geht um ein fundiertes Hilfsangebot

08.07.2020 - externe Gremien, Pandemie
Während der Pandemie sind die eigenen vier Wände vermutlich der sicherste Schutz vor dem Corona-Virus. Doch was ist, wenn eine andere Bedrohung im eigentlich sicheren Zuhause lauert? Seit Beginn der Pandemie häufen sich die Meldungen über die Zunahme von körperlicher, emotionaler und sexueller Gewalt innerhalb der Familie oder der Partnerschaft. Daher war es der LAKT von Anfang wichtig, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und im Rahmen unserer Möglichkeiten Hilfe durch die Thüringer Apotheken für Betroffene anzuregen. Gleichzeitig haben wir Kontakt zum Thüringer Sozialministerium aufgenommen, um ein tatsächlich koordiniertes Hilfsangebot zu entwickeln.

Auf den ersten Blick scheint die Etablierung des Codeworts „Maske 19“ eine schnelle und gute Lösung für Hilfesuchende zu sein. In Frankreich und Spanien können Betroffene so auf ihre Situation aufmerksam machen und die Apotheken sind angehalten die Polizei zu rufen. In Deutschland wurde das Angebot des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ bereits ausgeweitet und auf Initiative von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sollen Betroffene durch eine bundesweite Posteraktion in Supermärkten erreicht werden. Auch die ABDA hat eine Kooperation mit dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben als Träger des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ geschlossen und ruft dazu auf, das Angebot des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ bekannter zu machen.

Bei uns hat die Abgeordnete des Thüringer Landtages Laura Wahl (Bündnis 90/Die Grünen) angefragt, ob sich die Thüringer Apotheken an der Aktion bereits beteiligen und das Codewort von Hilfesuchenden genutzt wird. Wir haben diese Frage verneint und die Abgeordnete auf unsere Initiative gegenüber und mit dem Thüringer Sozialministerium hingewiesen. Poster werden wieder abgehängt und spätestens dann wird das Codewort „Maske 19“ verblassen. Die Bedrohung durch häusliche Gewalt wird nicht so leicht verschwinden. Daher wollen wir ein langfristiges und gut abgestimmtes Hilfsangebot schaffen, das vor allem auch den Handelnden Sicherheit gibt. Auch die repräsentativen Daten einer aktuellen Studie von Janina Steinert, Professorin für Global Health an der Technischen Universität München (TUM), und Dr. Cara Ebert vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bestätigen uns in unserem Vorhaben. Auf Basis der Studienergebnisse lassen sich verschiedene Politikempfehlungen ableiten. Beispielsweise wissen Betroffene oft nicht, wo sie Hilfe erhalten können. Apotheken könnten hierbei eine niederschwellige Anlaufstelle sein. Um in so einem Fall gut beraten zu können, möchten wir unseren Mitgliedern einen Handlungsleitfaden mit Kontakt- und Ansprechpartnern als Hilfestellung zur Verfügung stellen. Außerdem sollen regelmäßig Schulungen für die Apothekenmitarbeiter angeboten werden, um sie auf diese schwierige Situation optimal vorzubereiten und ihnen Sicherheit zu geben.

Da wir noch auf die zugesagten Hilfen von Seiten des Sozialministerium warten, haben wir uns entschlossen, direkt die regionalen Frauenhäuser in Thüringen anzusprechen. Unser Angebot für eine mögliche Zusammenarbeit stieß auf großes Interesse. Nach einem ersten Treffen im Frauenzentrum Weimar, erarbeiten wir nun gemeinsam ein Informationsschreiben für die Thüringer Apotheken. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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