Hitzekritische Arzneimittel: Tabellen für die Beratung im Apothekenteam 14.08.2026 - Apothekenwesen
Hohe Temperaturen können die Wirkung bestimmter Arzneimittel beeinflussen oder das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöhen. Die Heidelberger Hitze-Tabelle bietet medizinischem Fachpersonal hierfür eine strukturierte Übersicht. Sie erfasst Arzneistoffe beziehungsweise Arzneimittelgruppen, die während Hitzeperioden unter anderem die Thermoregulation oder den Volumenstatus beeinflussen können. Die ABDA hat die Heidelberger Hitze-Tabelle für die Anwendung in der Apotheke adaptiert und eine „Übersicht Hitzekritischer Arzneimittel“ veröffentlicht. Die aktuelle Fassung trägt den Stand 26.05.2026 und stellt den jeweiligen Arzneimittelgruppen mögliche Risiken bei Hitze sowie Maßnahmen zur Risikominimierung gegenüber. w
Welche Arzneimittel sind in der Übersicht aufgeführt?
ABDA-Tabelle umfasst unter anderem:
- ACE-Hemmer
- α2-Agonisten, z. B. Clonidin
- Amphetamine, z. B. Methylphenidat
- Antianginosa
- Antiarrhythmika, z. B. Sotalol, Flecainid und Propafenon
- Antidepressiva, einschließlich SSRI, SNRI und trizyklischer Antidepressiva
- Anticholinergika
- Antihistaminika der 1. Generation, z. B. Dimetinden, Diphenhydramin und Doxylamin
- Antihypertensiva
- Antikonvulsiva, z. B. Carbamazepin, Topiramat und Zonisamid
- Antipsychotika/Neuroleptika
- Betablocker
- Benzodiazepine
- Diuretika
- Herzglykoside
- Insulin, insbesondere schnell wirksames
- Laxanzien
- Lithium
- Opioide
- SGLT-2-Inhibitoren
- zentral wirksame Sympathomimetika, z. B. Methylphenidat und Modafinil
- transdermale therapeutische Systeme (TTS), z. B. mit Buprenorphin, Fentanyl, Nikotin, Rivastigmin oder Rotigotin
- Z-Substanzen, z. B. Zolpidem und Zopiclon.
Dabei sind die Risiken je nach Wirkstoffgruppe unterschiedlich. Die Tabelle nennt beispielsweise Dehydratation und Hypovolämie, Blutdruckabfall, reduziertes Schwitzen und Überwärmung, Sedierung und verminderte Aufmerksamkeit, veränderte renale Elimination oder eine verstärkte beziehungsweise beschleunigte Arzneimittelwirkung.
Für das Apothekenteam: Tabelle als Nachschlagehilfe nutzen
Die Übersicht eignet sich insbesondere dazu, bei der Beratung während längerer Hitzeperioden die Dauermedikation gezielt auf hitzekritische Arzneimittel zu prüfen.
Die ABDA stellt zu den einzelnen Arzneimittelgruppen konkrete Maßnahmen zur Risikominimierung gegenüber. Dazu gehören beispielsweise Hinweise auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die Beobachtung von Blutdruck oder Gewicht, die Aufmerksamkeit für Überhitzungs- und Dehydratationszeichen sowie – je nach Arzneimittelgruppe – die Kontrolle von Blutzucker, Elektrolyten oder Nierenfunktion.
Ein wichtiger Punkt der Tabelle: Eine eigenständige Dosisänderung durch Patientinnen und Patienten wird nicht empfohlen. Bei entsprechenden Beschwerden oder Auffälligkeiten ist, abhängig von der Arzneimittelgruppe, die ärztliche Rücksprache vorgesehen.
Gerade bei Diuretika, Antihypertensiva, Betablockern, Psychopharmaka, Anticholinergika, Lithium, Insulin, Opioiden und transdermalen therapeutischen Systemen lohnt sich daher während Hitzeperioden ein besonders genauer Blick auf die bestehende Medikation.
Unser Tipp für Apothekenteams
Die Tabellen griffbereit halten: Bei längeren Hitzeperioden können die Heidelberger Hitze-Tabelle und die darauf basierende ABDA-Übersicht „Hitzekritischer Arzneimittel“ als praktische Nachschlagehilfen für die Beratung im Apothekenalltag dienen.
Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit umfangreicher Dauermedikation kann ein Blick in die Tabelle helfen, hitzekritische Arzneimittel frühzeitig zu erkennen und die Beratung gezielt darauf auszurichten