Apotheken stärken statt Struktur zerstören 19.04.2026 - Presse
Angesichts der aktuellen Reformpläne zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und strukturellen Veränderungen im Apothekenwesen schlägt die Landesapothekerkammer Thüringen Alarm: Die Kombination aus Sparmaßnahmen und geplanten Strukturreformen droht die gewachsene Apothekenlandschaft nachhaltig zu beschädigen. Der Präsident, Ronald Schreiber, erklärt: „Was wir derzeit erleben, ist ein gefährlicher Widerspruch: Einerseits wird die dringend notwendige Stärkung der Apotheken nur angekündigt – andererseits sollen gleichzeitig neue finanzielle Belastungen eingeführt werden. Das passt nicht zusammen. Wer stärkt will, darf nicht gleichzeitig schwächen.“
Besonders kritisch bewertet die Kammer die Überlegungen, im Bereich der Arzneimittelversorgung den Abschlag an die Krankenkassen zu erhöhen: „Die Apotheken haben in den vergangenen Jahren bereits massiv zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beigetragen. Allein durch den seit über einem Jahrzehnt eingefrorenen Vergütungssatz wurden Einsparungen in Milliardenhöhe ermöglicht. Dieser Sparbeitrag ist längst erbracht – weitere Belastungen sind nicht hinnehmbar.“
Gleichzeitig sieht Schreiber in den geplanten Strukturreformen, insbesondere bei Zweigapotheken, eine ernsthafte Gefahr für die Versorgungsqualität: „Die Diskussion um neue Formen von Zweigapotheken zeigt, wohin die Reise geht: Weg von der vollwertigen Apotheke hin zu abgespeckten Versorgungsstellen. Solche Modelle führen dazu, dass wichtige Leistungen wie die individuelle Arzneimittelherstellung in der Rezeptur, Nacht- und Notdienste oder umfassende Beratung nicht mehr flächendeckend gewährleistet sind. Gleichzeitig geraten bestehende Apotheken wirtschaftlich weiter unter Druck.“ Schreiber warnt vor den langfristigen Folgen: „Wenn Sparmaßnahmen und Strukturreformen in dieser Form zusammenkommen, wird nicht nur an einzelnen Stellschrauben gedreht – dann wird die Apothekenstruktur und damit die Arzneimittelversorgung als Ganzes beschädigt. Am Ende verlieren wir genau das, was unser System stark macht: die persönliche, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung.“
Die Situation ist bereits heute angespannt. Immer mehr Apotheken schließen. Jede einzelne Schließung bedeutet einen realen Verlust für die Menschen – weniger Beratung, längere Wege, weniger Sicherheit. Gerade in Thüringen mit seinen vielen ländlichen Regionen ist das ein ernstes Problem.
Abschließend richtet Schreiber einen klaren Appell an die Politik: „Die Menschen brauchen keine Sparpolitik auf Kosten der Gesundheit und keine Experimente mit abgespeckten Versorgungsstrukturen. Sie brauchen starke, wirtschaftlich stabile Apotheken vor Ort. Deshalb fordern wir: Die zugesagte Erhöhung des Fixhonorars muss jetzt kommen – ohne Wenn und Aber. Und alle Maßnahmen, die die Apotheken zusätzlich schwächen, gehören vom Tisch.“