Teure Apps mit unklarem Nutzen

16.10.2020 - Information & Internet, externe Gremien

Die ersten erstattungsfähigen Gesundheits-Apps sind auf dem Markt: eine Tinnitus-App und eine Webanwendung für Patienten mit Angst- und Panikstörungen. „Die Krankenkassen werden für solche Apps künftig viel Geld ausgeben, obwohl der Nutzen nicht ausreichend belegt ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, gegenüber den PraxisNachrichten der KBV. Das Ausgabenpotenzial allein für die ersten zwei digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) sei enorm. Die Tinnitus-App kostet 116,97 Euro pro Patient im Quartal, die Anwendung zur Angststörung sogar 476 Euro. „Die Krankenkassen müssen das bezahlen, egal ob der Versicherte die App dann wirklich nutzt oder nicht.“

Gesundheits-App ist kein Spielzeug

Kritisch sieht der KBV-Vorstand auch die Studienbasis. Für Gesundheits-App sollten ähnlich hohe Anforderungen wie bei anderen verordnungsfähigen Leistungen gelten. Dies sei bislang nicht gewährleistet. Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz wurde ein Leistungsanspruch für Versicherte für digitale Gesundheitsanwendungen geschaffen. Diese sollen helfen, Krankheiten zu erkennen, zu überwachen, zu behandeln oder zu lindern.

Welche Anwendungen das genau sind, legt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) fest. Es prüft dazu bestimmte Produkteigenschaften wie Benutzerfreundlichkeit, Datensicherheit und Datenschutz. Um dauerhaft in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden, müssen die Hersteller spätestens nach zwei Jahren positive Versorgungseffekte nachweisen.

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