EbM fordert bessere Informationsversorgung im Gesundheitswesen

26.06.2020 - Arzneimittelinformation, externe Gremien, Information & Internet

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM) hat darauf hingewiesen, dass der Zugang zu medizinischem Wissen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ungleich schwieriger ist. Zwar redeten alle über Digitalisierung – aber wissenschaftliche Institute im Gesundheitswesen sind in der Corona-Pandemie von medizinischem Wissen weitgehend abgeschnitten. Das muss sich schnellstmöglich ändern.

Wenn Einzelpersonen oder Institutionen nicht zu einer Universität gehören, können sie medizinisch-wissenschaftliche Literatur über die Universitätsbibliothek zwar nutzen, allerdings in der Regel nur in den Räumen der Bibliothek. Dies liegt daran, dass die Vereinbarungen der Bibliotheken mit den Verlagen einen Fernzugriff für diese Nutzergruppen meist ausschließt. Die Abstands- und Kontaktbeschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Pandemie haben diesen Weg aber weitestgehend versperrt: Die meisten Bibliotheken haben ihre Lese- und Recherchesäle Mitte März geschlossen. Seitdem ist der Zugang stark eingeschränkt und wissenschaftliche Literatur ist in weiten Teilen nur für Studierende und Beschäftigte der Universitäten verfügbar, für andere Nutzergruppen jedoch nicht.

Das Netzwerk EbM ruft deshalb die politischen Entscheidungsträger auf, die Zugangsschwierigkeiten durch die Corona-Pandemie zum Anlass für grundlegende Reformen bei der Informationsversorgung im Gesundheitswesen zu nehmen. Benötigt wird eine zentrale Lösung, etwa über ein Institut zur Versorgung mit medizinisch-wissenschaftlicher Literatur, das relevanten Nutzergruppen einen unkomplizierten Zugang auf elektronischem Weg zur Verfügung stellt.

Das Netzwerk sieht das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und auch die Hochschulrektorenkonferenz in der Pflicht, sich dafür einzusetzen. Wenn man als eine Konsequenz aus der Corona-Pandemie über eine stärkere Digitalisierung in der Gesellschaft nachdenkt, darf der Zugang zu medizinischem Wissen nicht vergessen werden. Und es ist höchste Zeit: Wir brauchen so bald wie möglich eine tragfähige Lösung.

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