Nah dran oder weit weg? Apotheker und Ministerien uneinig

05.05.2020 - Geschäftsführung, interne Gremien, Pandemie, externe Gremien, Presse
In einem offenen Brief wenden sich die Thüringer Apothekerinnen und Apotheker an die Gesundheitsministerin und den Bildungsminister des Freistaates und fordern sie auf, die Verordnung des TMASGFF vom 18. April 2020 über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 so umzusetzen, wie es dem Wortlaut entspricht. Wenn dies - aus für alle nachvollziehbaren Gründen - der Erhaltung des Infektionsschutzes entgegensteht, dann müssen die Bestimmungen des Erlasses den Notwendigkeiten angepasst werden, ohne den Apothekern die unmittelbare Nähe zum Patienten abzusprechen.

Hintergrund der Diskussion sind die Auslegung Regeln zur Kindernotbetreuung. Nach Ansicht der Ministerien haben Apothekenmitarbeiter keinen Anspruch auf die Notbetreuung, wenn der andere Elternteil nicht in einem „systemrelevanten Beruf“ arbeitet. So weit, so gerecht, wenn im entsprechenden Erlass des Thüringer Gesundheitsministeriums nicht stehen würde, dass Kinder, bei denen ein Elternteil unmittelbar mit der Versorgung von Kranken oder pflegebedürftigen Personen betraut ist, an der Kindernotbetreuung teilnehmen dürfen.

„Es ist zweifellos eine schwere Zeit, in der schwierige Entscheidungen zu treffen sind. Viele Menschen haben dafür Verständnis und können auch akzeptieren, wenn derzeit nicht alle Wünsche erfüllt werden und seien sie noch so berechtigt.“, zeigt sich Apotheker Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen krisenbewusst. „Ja, wir sind dankbar, dass unsere Einrichtungen offengehalten werden und wir „der Gesundheit des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes“ dienen konnten, wie es unsere Aufgabe und gesetzlicher Auftrag ist.“, so der Apotheker, „und dass, obwohl in gut einem Fünftel der Apotheken die Öffnungszeiten reduziert werden mussten, weil die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen reihenweise, genauso wie viele, viele andere Menschen in unserem Land, ihre Kinder betreuen müssen.“

Die Thüringer Apotheken wollten keine Sonderregeln und keine Privilegien. „Wenn es für die Gesundheit der Bevölkerung und jedes Einzelnen in diesem Land notwendig ist, stellen wir uns den gleichen Herausforderungen, wie alle anderen. Was wir aber erwarten, ist der respektvolle Umgang mit den tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, viele von ihnen selbst Eltern und Großeltern, mit Sorgen und Ängsten, genau wie alle anderen und doch die ganze Zeit dienstbereit und für das Funktionieren des Gesundheitssystems in Thüringen unverzichtbar. Wenn ihnen diese Leistung und damit das berufliche Selbstverständnis von den politisch Verantwortlichen in unserem Bundesland dann abgesprochen wird, nur um ein politisches Ziel zu erreichen, dann ist dies das Gegenteil von Respekt. Und das können wir nicht akzeptieren.“

„Die Thüringer Apotheken und ihre Mitarbeiter haben in den letzten Wochen viel geleistet,“ berichtet Neidel, „auf sie war Verlass.“ Sie haben einen flächendeckenden Mangel an Desinfektionsmitteln verhindern können, obwohl die Eigenherstellung eigentlich schon seit Jahren nicht mehr zu ihren Aufgaben gehört. Viele haben dies zum reinen Materialpreis getan, um die extrem gestiegenen Einkaufspreise wenigstens zum Teil abzufangen. Sie haben einer Fehlverteilung entgegengewirkt und damit in vielen Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheimen den weiteren Betrieb überhaupt erst möglich gemacht.

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